Eine Wärmepumpe eignet sich für viele Altbauten auch ohne Komplettsanierung. Entscheidend ist nicht das Baujahr, sondern die Vorlauftemperatur: Werden an kalten Tagen mit 50 bis 55 Grad alle Räume warm, arbeitet sie effizient. Das Fraunhofer ISE hat im Bestand keinen Zusammenhang zwischen Baujahr und Effizienz gefunden. Ob Ihr Haus geeignet ist, lässt sich im Winter mit der vorhandenen Heizung testen.
Das Wichtigste in Kürze
- Fraunhofer ISE, 77 Wärmepumpen im Bestand über vier Jahre: kein Zusammenhang zwischen Baujahr und Effizienz.
- Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichten dort im Mittel eine Jahresarbeitszahl von 3,4.
- Faustregel: Vorlauftemperatur höchstens 55 Grad, besser unter 50 Grad.
- Eine Fußbodenheizung ist keine Voraussetzung – ausreichend große Heizkörper genügen oft.
Funktioniert eine Wärmepumpe im Altbau?
Eine Wärmepumpe funktioniert in vielen Altbauten effizient, auch ohne dass das Haus auf Neubaustandard gebracht wird. Das ist das Ergebnis eines Forschungsprojekts des Fraunhofer ISE, das im November 2025 abgeschlossen wurde. Über vier Jahre wurden 77 Wärmepumpen in Ein- bis Dreifamilienhäusern im Detail gemessen.
Das bemerkenswerteste Ergebnis: Zwischen dem Baujahr eines Gebäudes und der Effizienz seiner Wärmepumpe ließ sich kein Zusammenhang feststellen. Ein Haus aus den 1960er-Jahren ist also nicht von vornherein ungeeignet. Es kommt darauf an, mit welcher Temperatur die Heizung das Haus warm bekommt.
Warum die Vorlauftemperatur entscheidet
Die Vorlauftemperatur entscheidet über die Effizienz einer Wärmepumpe, weil diese Wärme aus der Umgebung auf ein höheres Temperaturniveau anhebt. Je kleiner der Abstand zwischen Außenluft und Heizwasser, desto weniger Strom braucht sie für jede Kilowattstunde Wärme.
Nach Angaben des Programms Zukunft Altbau sollte das Heizwasser die Wärmepumpe höchstens mit 55 Grad verlassen, besser mit weniger als 50 Grad. Bei einer Außentemperatur um null Grad reichen in einem geeigneten Haus etwa 45 Grad. Zum Vergleich: In unsanierten Altbauten mit kleinen Heizkörpern laufen fossile Heizungen im Winter oft mit rund 70 Grad.
Diese 70 Grad sind aber häufig nicht nötig, sondern nur eingestellt. Viele Kessel arbeiten seit Jahren mit einer zu steilen Heizkurve, weil nie jemand nachgeregelt hat. Deshalb lohnt der Test im nächsten Abschnitt, bevor man vom Schlimmsten ausgeht.
Der Test: Ist Ihr Haus bereit für eine Wärmepumpe?
Ob Ihr Haus mit niedriger Vorlauftemperatur warm wird, können Sie mit der vorhandenen Heizung prüfen. Zukunft Altbau empfiehlt dafür einen Test an einem sehr kalten Tag in einer Frostperiode:
- Begrenzen Sie die Vorlauftemperatur Ihres Kessels auf 50 bis 55 Grad. Die Einstellung liegt in der Heizungsregelung; im Zweifel hilft Ihr Heizungsbauer.
- Stellen Sie die Thermostate an den Heizkörpern auf 20 Grad.
- Lassen Sie die Heizung einige Stunden so laufen.
- Prüfen Sie Raum für Raum, ob es warm genug wird.
- Werden alle Räume warm, ist das Haus für eine Wärmepumpe geeignet. Bleiben einzelne Räume kühl, liegt es meist an zu kleinen Heizkörpern genau dort.
Heizkörper tauschen oder Fußbodenheizung nachrüsten?
Für eine Wärmepumpe im Altbau reicht es oft, einzelne zu kleine Heizkörper zu vergrößern. Das Fraunhofer ISE hat gemessen, dass ausreichend dimensionierte Heizkörper im Mittel mit ähnlich niedrigen Temperaturen betrieben werden können wie Flächenheizungen. Eine Fußbodenheizung ist deshalb keine Voraussetzung.
Welche Maßnahme sinnvoll ist, hängt davon ab, wo der Test Schwächen zeigt. Bleiben nur zwei Räume kühl, ist ein größerer Heizkörper dort die naheliegende Lösung. Soll ohnehin der Boden erneuert werden, ist eine Fußbodenheizung eine Überlegung wert.
| Maßnahme | Wirkung | Aufwand |
|---|---|---|
| Einzelne Heizkörper vergrößern | senkt die nötige Vorlauftemperatur für diese Räume | gering, raumweise |
| Hydraulischer Abgleich | gleichmäßige Verteilung, niedrigere Vorlauftemperatur möglich | gering |
| Heizkurve neu einstellen | vermeidet unnötig hohe Temperaturen | sehr gering |
| Fußbodenheizung nachrüsten | große Heizfläche, sehr niedrige Vorlauftemperatur | hoch, Boden wird geöffnet oder gefräst |
| Dach oder oberste Geschossdecke dämmen | senkt die Heizlast des ganzen Hauses | mittel bis hoch |
Luft- oder Erdwärmepumpe im Bestand?
Erdwärmepumpen arbeiten im Bestand effizienter, Luft-Wasser-Wärmepumpen sind einfacher einzubauen. In der Fraunhofer-Messung erreichten Luft-Wasser-Wärmepumpen eine mittlere Jahresarbeitszahl von 3,4: Aus einer Einheit Strom entstehen 3,4 Einheiten Wärme. Erdgekoppelte Anlagen lagen bei 4,3.
Die Spanne innerhalb jeder Gruppe ist dabei größer als der Unterschied zwischen den Mittelwerten. Eine gut geplante Luft-Wasser-Wärmepumpe kann eine schlecht eingestellte Erdwärmepumpe übertreffen. Für die Erdwärme braucht es Bohrung oder Kollektorfläche und eine Genehmigung; bei der Luft-Wasser-Wärmepumpe entscheiden Aufstellort und Schall über die Planung.
| Wärmepumpe | Mittlere Jahresarbeitszahl | Spanne |
|---|---|---|
| Luft-Wasser | 3,4 | 2,6 – 4,9 |
| Erdreich (Sole-Wasser) | 4,3 | 3,6 – 5,4 |
Häufige Fehler bei der Wärmepumpe im Altbau
Die meisten Probleme mit Wärmepumpen im Altbau entstehen bei Planung und Einstellung, nicht am Gerät. Das Fraunhofer ISE hat in seiner Messung gezielt nach Installationsfehlern gesucht. Diese Punkte fallen in der Praxis am häufigsten auf:
- Überdimensionierung: Viele gemessene Anlagen waren gemessen am Verbrauch zu groß und schalteten sehr häufig ein und aus.
- Kein hydraulischer Abgleich: Die Vorlauftemperatur muss dann höher stehen als nötig.
- Zu steile Heizkurve: Übernommen vom alten Kessel statt neu eingestellt.
- Warmwasser und Heizung nicht getrennt: Bei Kombispeichern wurde teils Wärme unnötig auf Warmwassertemperatur bereitgestellt.
- Aufstellort ohne Blick auf den Schall: Nachts kann sich die Wärmepumpe messbar vom Umgebungslärm abheben, etwa bei Reihenhäusern.
Häufige Fragen
Muss ich mein Haus vor der Wärmepumpe dämmen?
Nicht zwingend. Die Fraunhofer-Messung zeigt, dass Wärmepumpen auch in Häusern effizient laufen, die nicht auf Neubaustandard saniert sind. Eine Dämmung senkt aber die nötige Vorlauftemperatur und damit den Stromverbrauch. Ob sie nötig ist, zeigt der Test mit abgesenkter Vorlauftemperatur.
Brauche ich für die Wärmepumpe eine Fußbodenheizung?
Nein. Ausreichend große Heizkörper können laut Fraunhofer ISE mit ähnlich niedrigen Temperaturen betrieben werden wie eine Fußbodenheizung. Oft genügt es, einzelne zu kleine Heizkörper zu tauschen.
Welche Jahresarbeitszahl ist im Altbau realistisch?
Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichten in der Fraunhofer-Messung im Bestand im Mittel 3,4, die Spanne reichte von 2,6 bis 4,9. Erdwärmepumpen lagen im Mittel bei 4,3. Wo Ihre Anlage landet, hängt vor allem von der Vorlauftemperatur und der Einstellung ab.
Was passiert an sehr kalten Tagen?
Dann kann ein elektrischer Heizstab unterstützen. In der Fraunhofer-Messung übernahm er bei Luft-Wasser-Wärmepumpen nur 1,3 Prozent der elektrischen Arbeit. Die Forscher weisen allerdings darauf hin, dass der Messzeitraum vergleichsweise mild war.
Kann die alte Heizung als Reserve bleiben?
Als Hybridlösung ist das technisch möglich. Ob es sinnvoll und zulässig ist, hängt von den Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes für Ihr Haus und vom Zustand des alten Kessels ab. Das gehört in die Beratung vor Ort.
Fazit
Ob eine Wärmepumpe in Ihren Altbau passt, verrät nicht das Baujahr, sondern die Vorlauftemperatur. Werden an einem kalten Tag mit 50 bis 55 Grad alle Räume warm, sind die Voraussetzungen gut. Wo einzelne Räume kühl bleiben, reicht meist ein größerer Heizkörper – eine Komplettsanierung ist dafür selten nötig.

