Den Stromverbrauch einer Wärmepumpe berechnen Sie, indem Sie den Wärmebedarf des Hauses durch die Jahresarbeitszahl teilen. Braucht ein Haus 15.000 Kilowattstunden Wärme im Jahr und erreicht die Wärmepumpe eine Jahresarbeitszahl von 3,4, liegt der Stromverbrauch bei rund 4.400 Kilowattstunden. Die 3,4 ist der Mittelwert, den das Fraunhofer ISE für Luft-Wasser-Wärmepumpen im Bestand gemessen hat.
Das Wichtigste in Kürze
- Formel: Wärmebedarf geteilt durch Jahresarbeitszahl ergibt den Stromverbrauch.
- Gemessene Mittelwerte im Bestand: Luft-Wasser 3,4, Erdreich 4,3 (Fraunhofer ISE).
- Den Wärmebedarf leiten Sie aus dem bisherigen Gas- oder Ölverbrauch ab.
- Größter Hebel gegen hohen Verbrauch: eine niedrige Vorlauftemperatur.
Die Formel: Wärmebedarf geteilt durch Jahresarbeitszahl
Der Stromverbrauch einer Wärmepumpe ergibt sich aus dem Wärmebedarf des Hauses geteilt durch die Jahresarbeitszahl. Die Jahresarbeitszahl gibt an, wie viele Kilowattstunden Wärme eine Wärmepumpe über ein ganzes Jahr aus einer Kilowattstunde Strom erzeugt. Eine Jahresarbeitszahl von 3,4 bedeutet: Aus einer Einheit Strom werden 3,4 Einheiten Wärme.
Anders als die Leistungszahl im Datenblatt, die unter festen Prüfbedingungen gemessen wird, bildet die Jahresarbeitszahl den echten Betrieb ab – mit kalten und milden Tagen, Warmwasser und allen Verlusten. Für eine Verbrauchsschätzung ist sie deshalb die richtige Größe.
Wärmebedarf aus dem bisherigen Verbrauch ableiten
Den Wärmebedarf Ihres Hauses leiten Sie am einfachsten aus dem Verbrauch Ihrer bisherigen Heizung ab. Bei Gas steht die Menge in Kilowattstunden auf der Jahresabrechnung. Bei Öl rechnen Sie den Verbrauch in Litern mit etwa 10 Kilowattstunden je Liter um – das ist der Energiegehalt von Heizöl.
Dieser Wert liegt etwas über dem tatsächlichen Wärmebedarf, weil ein älterer Kessel einen Teil der Energie verliert. Für eine erste Schätzung ist das in Ordnung: Sie rechnen damit eher zu hoch als zu niedrig. Ist Warmwasser bisher über dieselbe Heizung gelaufen, ist es in der Zahl bereits enthalten.
Beispielrechnung für ein Einfamilienhaus
Für ein Einfamilienhaus mit 15.000 Kilowattstunden Wärmebedarf liegt der Stromverbrauch je nach Jahresarbeitszahl zwischen rund 3.000 und 5.800 Kilowattstunden im Jahr. Die Tabelle rechnet mit den Werten, die das Fraunhofer ISE an 77 Anlagen im Bestand gemessen hat: dem Mittelwert, dem schwächsten und dem besten Ergebnis.
Bei einem Strompreis von 30 Cent je Kilowattstunde, wie ihn die Verbraucherzentrale in ihren Beispielen für Wärmepumpen ansetzt, kostet der mittlere Fall rund 1.320 Euro im Jahr. Ihr tatsächlicher Preis hängt vom Tarif ab.
| Wärmepumpe | Jahresarbeitszahl | Stromverbrauch pro Jahr |
|---|---|---|
| Luft-Wasser, bester Messwert | 4,9 | rund 3.060 kWh |
| Erdreich, Mittelwert | 4,3 | rund 3.490 kWh |
| Luft-Wasser, Mittelwert | 3,4 | rund 4.410 kWh |
| Luft-Wasser, schwächster Messwert | 2,6 | rund 5.770 kWh |
Was den Stromverbrauch nach oben treibt
Der Stromverbrauch einer Wärmepumpe steigt vor allem durch eine unnötig hohe Vorlauftemperatur und durch eine falsche Auslegung. Die Spanne von 2,6 bis 4,9 in der Fraunhofer-Messung zeigt, wie viel davon abhängt: Beim selben Wärmebedarf verbraucht die schwächste Anlage fast doppelt so viel Strom wie die beste.
- Hohe Vorlauftemperatur, etwa durch eine zu steil eingestellte Heizkurve.
- Fehlender hydraulischer Abgleich, der die Vorlauftemperatur nach oben zwingt.
- Überdimensionierung: Eine zu große Wärmepumpe schaltet häufig ein und aus. Das Fraunhofer ISE hat das bei vielen Anlagen gemessen.
- Warmwasser im Kombispeicher auf zu hohem Temperaturniveau, sodass auch Heizwärme unnötig heiß bereitgestellt wird.
- Der elektrische Heizstab – im Messzeitraum mit 1,3 Prozent der elektrischen Arbeit gering, in strengen Wintern aber mehr.
So senken Sie den Stromverbrauch
Den Stromverbrauch einer Wärmepumpe senken Sie am wirksamsten, indem Sie die Vorlauftemperatur so weit absenken, wie es das Haus erlaubt. Dazu gehören eine flacher eingestellte Heizkurve, ein hydraulischer Abgleich und, wo einzelne Räume nicht warm werden, größere Heizkörper genau dort. Für den hydraulischen Abgleich nennt die Verbraucherzentrale bis zu 15 Prozent Einsparung; in ihrem Beispiel für eine Wärmepumpe sind das rund 270 Euro im Jahr.
Mit einer Photovoltaikanlage lässt sich ein Teil des Stroms selbst erzeugen. In der Fraunhofer-Untersuchung erreichten Häuser mit Wärmepumpe und Solaranlage ohne Batterie 25 bis 40 Prozent Autarkie, mit Batterie 32 bis 62 Prozent.
Wärmepumpentarif und steuerbare Verbrauchseinrichtung
Für Wärmepumpen gibt es günstigere Netzentgelte, wenn die Anlage beim Netzbetreiber als steuerbare Verbrauchseinrichtung nach § 14a Energiewirtschaftsgesetz angemeldet ist. Im Gegenzug darf der Netzbetreiber die Leistung in Engpässen begrenzen.
Die Bundesnetzagentur sieht dafür verschiedene Module vor: einen pauschalen Betrag, eine prozentuale Reduzierung des Arbeitspreises oder, ab 2025 zusätzlich wählbar, ein zeitvariables Netzentgelt. Welche Variante sich für Sie rechnet, hängt von Ihrem Netzbetreiber und davon ab, ob die Wärmepumpe einen eigenen Zähler hat.
Häufige Fragen
Wie viel Strom verbraucht eine Wärmepumpe im Einfamilienhaus?
Das hängt vom Wärmebedarf und von der Jahresarbeitszahl ab. Bei 15.000 Kilowattstunden Wärmebedarf liegt der Stromverbrauch mit den Fraunhofer-Messwerten zwischen rund 3.060 und 5.770 Kilowattstunden im Jahr, im Mittel bei etwa 4.410.
Ist eine Jahresarbeitszahl von 3 gut?
Sie liegt in der unteren Hälfte dessen, was das Fraunhofer ISE bei Luft-Wasser-Wärmepumpen im Bestand gemessen hat; der Mittelwert war 3,4. Liegt Ihre Anlage deutlich darunter, lohnt ein Blick auf Vorlauftemperatur und Heizkurve.
Wo sehe ich die Jahresarbeitszahl meiner Wärmepumpe?
Dafür braucht es zwei Messwerte über ein ganzes Jahr: die erzeugte Wärme aus einem Wärmemengenzähler und den verbrauchten Strom aus einem eigenen Zähler. Viele Geräte zeigen die Werte in der Regelung an. Eine Momentaufnahme im Winter sagt wenig über das ganze Jahr aus.
Verbraucht eine Wärmepumpe im Altbau mehr Strom?
Absolut meist ja, weil ein Altbau mehr Wärme braucht. Die Effizienz hängt aber nicht vom Baujahr ab: Das Fraunhofer ISE fand keinen Zusammenhang zwischen Baujahr und Jahresarbeitszahl. Entscheidend ist die Vorlauftemperatur.
Fazit
Den Stromverbrauch Ihrer künftigen Wärmepumpe schätzen Sie mit einer einfachen Rechnung: bisheriger Wärmebedarf geteilt durch die Jahresarbeitszahl. Mit dem Fraunhofer-Mittelwert von 3,4 liegen Sie für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe im Bestand realistisch. Ob Ihre Anlage besser oder schlechter abschneidet, entscheidet vor allem die Vorlauftemperatur.

